Wenn das Krankenbett der Anfang der Forschung ist

Translationale Medizin beschreibt den Prozess, wissenschaftliche Erkenntnisse in wirksame therapeutische Anwendungen zu überführen. In der konventionellen Medizin erfolgt dieser Weg nach dem Prinzip «from bench to bedside»: Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung werden präklinisch sowie klinisch geprüft und schliesslich in die medizinische Praxis übertragen.

In der Komplementärmedizin verläuft dieser Weg häufig umgekehrt: Ausgangspunkt sind langjährige Erfahrungen am Krankenbett, dokumentierte Behandlungserfolge und Beobachtungen aus der therapeutischen Praxis. Man spricht deshalb von revers-translationaler Medizin. Aus diesen Erfahrungen aus der Behandlung von Patientinnen und Patienten entstehen wissenschaftliche Fragestellungen, die präklinisch untersucht und anschliessend in klinischen Studien überprüft werden.

So entsteht eine Brücke zwischen therapeutischer Erfahrung und moderner Wissenschaft. Ziel ist, Wirksamkeit, Sicherheit und Anwendungsgebiete komplementärmedizinischer Verfahren nachvollziehbar zu belegen und ihre Evidenzbasis zu stärken.

Auch dieser Ansatz führt zu Evidencebased Medicine, also zur Verbindung von klinischer Expertise, Patientenbedürfnissen und wissenschaftlicher Evidenz. Der Unterschied liegt nicht im Ziel, sondern im Weg dorthin: Nicht von der Laborbank zum Krankenbett, sondern von den Beobachtungen am Krankenbett zur Forschung im Labor und von dort wieder in die klinische Anwendung. Dadurch wird Erfahrungswissen wissenschaftlich überprüfbar und für eine moderne, evidenzbasierte Medizin nutzbar gemacht. Die translationale Medizin leistet einen wertvollen und unverzichtbaren Beitrag für unser Gesundheitswesen; sie verdient deshalb von der Politik deutlich mehr Anerkennung und Gewichtung.

Kolumne Komplementäres Astrea Bulletin 11/2026

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Stellungnahme des SVKH: Teilrevision Heilmittelgesetz 3b