Vielfalt der Phytoarzneimittel in Gefahr: ein Weckruf
Die publizierten Zahlen von Swissmedic für das Jahr 2025 zeichnen ein alarmierendes Bild für die Phytotherapie: Die Anzahl der zugelassenen Phytoarzneimittel mit Indikation ist auf 365 gesunken. Ein Blick auf die Vorjahre verdeutlicht den Rückgang: 2021 waren es noch 434 und im Jahr 2024 deren 377.
Hauptgrund für diesen Schwund sind die enormen regulatorischen Anforderungen und die hohen Zulassungskosten für pflanzliche Arzneimittel. Der Zulassungsprozess ist hochkomplex und oft nicht mehr kostendeckend. Phytoarzneimittel müssen höchste Anforderungen an GMP-Richtlinien, klinische Evidenz und pharmazeutische Qualität erfüllen. Der wirtschaftliche Druck führt dazu, dass bewährte Präparate vom Markt verschwinden oder Neuentwicklungen aufgrund der hohen Hürden gar nicht erst als Arzneimittel angemeldet, sondern in weniger regulierten Produktkategorien lanciert werden. Ohne Arzneimittelstatus entfällt die Vergütung durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung – wodurch die Patientinnen und Patienten das Nachsehen haben.
Mit dem Rückgang zugelassener Phytoarzneimittel verlieren Ärzte, Apothekerinnen und Therapeuten eine wichtige Arbeitsgrundlage. Das schrumpfende Sortiment schränkt die Therapiefreiheit ein, da bewährte pflanzliche Optionen für den gezielten therapeutischen Einsatz nicht mehr zur Verfügung stehen.
Diese Entwicklung läuft dem Ziel des Verfassungsauftrags (Art. 118a) entgegen, die Komplementärmedizin angemessen zu berücksichtigen. Damit der Volkswille von 2009 nicht zur leeren Hülle wird, muss die Hürde für die Zulassung von Phytoarzneimitteln gesenkt und auf risikobasierte Zulassungsverfahren gesetzt werden. Nur so bleibt die Phytotherapie Teil unserer Grundversorgung.