Grundversorgung – ein Grund zur Sorge?

Trotz unzureichender EU Gesetzgebung wächst der Markt für homöopathische und anthroposophische Arzneien bisher jährlich um fünf Prozent / Erste Stiftungsprofessuren für Komplementärmedizin an Berliner Charité und Europa Universität Vidrina Frankfurt/Oder / Aussichten sind jedoch düster.

Die Versorgungsmodelle der Zukunft stellen den Patienten als Ganzes ins Zentrum, sind interdisziplinär und vernetzt. Die Gesundheitsakteure dürfen nicht auf die Politik warten, sondern müssen selber aktiv werden. Dies das Fazit einer Veranstaltung des Dachverbandes Komplementärmedizin.

 

Der Dachverband Komplementärmedizin Dakomed hat am 28. Juni 2012 eine Veranstaltung zum Thema „Grundversorgung – ein Grund zur Sorge?” durchgeführt. An der Veranstaltung welche eine Aufnahme zur „integrierten Versorgung der Zukunft” darstellte, nahmen verschiedene Akteure des Gesundheitswesen teil:

 

Nationalrätin Edith Graf-Litscher und Dr. Lukas Rist, Co-Präsidenten des Dakomed
Dr. Stephan Spycher, Vizedirektor im Bundesamt für Gesundheit BAG
Yvonne Ribi, Geschäftsführerin Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK
Martin Bangerter, Zentralpräsident Schweizerischer Drogistenverband SDV
Dr. med. Johannes Brühwiler, Hausärzte Schweiz
Christian Vogel, Organisation der Arbeitswelt KomplementärTherapie OdA KT
Heidi Schönenberger, Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin OdA AM

 

Über die künftigen Herausforderungen in der Grundversorgung waren sich die Akteure mehrheitlich einig:

 

  • Alterung der Bevölkerung: Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung der Schweiz steigt von heute 16 Prozent bis im Jahr 2050 auf 28 Prozent. Die führt zu einer grösseren Nachfrage nach ärztlichen Leistungen
  • Mangel an Gesundheitspersonal für die Grundversorgung aufgrund der zunehmenden Nachfrage nach Gesundheitsleistungen und dem (teilweise) fehlenden Nachwuchs in den Gesundheitsberufen werden sich regionale Versorgungsengpässe ergeben
  • Chronische Krankheiten: Chronische Krankheiten wie Diabetes, Osteoporose, Herz-Kreislauferkrankungen und Demenzerkrankungen verursachen bereits heute rund 70-80% der Gesundheitskosten
  • Interprofessionalität und Interdisziplinarität gewinnen in der Zukunft des Gesundheitswesens an Bedeutung

Um auch künftig eine qualitativ hochstehende Grundversorgung sicherzustellen, priesen die verschiedenen Berufsgruppen unterschiedliche Ansätze an. Martin Bangerter vom Drogistenverband wies auf das noch ungenutzte Potential der Selbstmedikation und damit auch die Selbstverantwortung der Patienten hin. In der Schweiz hat die Selbstmedikation eine lange Tradition. Apotheker und Drogisten sind dabei die kompetenten Fachberater für die Patienten. Johannes Brühwiler von Hausärzte Schweiz sprach sich gegen die starke Fragmentierung und Spezialisierung der Versorgung aus und wies darauf hin, dass der Mensch eine Einheit sei und deshalb vom Arzt als solche betrachtet werden muss. Weiter plädierte er für eine multiprofessionelle Zusammenarbeit. Yvonne Ribi, vom Berufsverband der Pflegerinnen und Pfleger forderte, dass Pflegeleistungen nicht nur als Hilfsberuf angesehen werden und dass die Kompetenzen der Pflegenden besser genutzt werden. Die beiden Vertreter der nichtärztlichen Therapeuten Heidi Schönenberger und Christian Vogel wiesen darauf hin, dass Naturheilpraktiker und Komplementärtherapeutinnen mit ihren demnächst eidgenössisch anerkannten Berufen schon heute Teil der Grundversorgung sind, dies im Gesundheitswesen jedoch noch weitgehend ignoriert wird.

 

Das gemeinsames Fazit dieser Aufnahme zur integrierten Versorgung der Zukunft lautet: Der Fokus richtet sich auf den Patienten. Die Qualität der Versorgung muss im Zentrum stehen und nicht die Ansprüche der Leistungserbringer. Eine starke Vernetzung zwischen und unter den verschiedenen Leistungserbringern ist trotz Nein zur Managed-Care-Vorlage vom 17. Juni 2012 eine Voraussetzung für eine gute Versorgung. Um die integrierte Versorgung voran zu bringen, darf nicht auf die Politik gewartet werden. Versorgungsmodelle müssen von bottom-up von den unterschiedlichen Gesundheitsakteuren gemeinsam entwickelt werden. Der Patient wünscht eine integrierte Versorgung, das heisst eine stärkere Vernetzung der unterschiedlichen Leistungserbringer. Diese Modelle erhöhen die Qualität der Versorgung und sind effektiver.

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Der SVKH ist Gründungsmitglied
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